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Eines der besten Gefühle der Welt ist es, zu wissen, dass man nicht allein ist. Auch nicht allein mit seinem Schicksal, egal wie abstrus es sich für Außenstehende anhören mag. Egal in welchem Kontext man aufgewachsen ist, mit familiärem Missbrauch, Geschwistergewalt oder in einer Sekte – es gibt immer Menschen da draussen, die fast das Gleiche erlebt haben. Und es lohnt sich, sich mit diesen Menschen zu vernetzen.

Ich erinnere mich sehr gut an das Gefühl zu glauben, dass ich die Einzige bin, die von ihrem Vater missbraucht wurde und die religiöses Brainwashing in Freikirchen erlebt hat. Der Austausch mit anderen hat mich teilweise weiter gebracht, als Therapie-Sitzungen. Denn auch Therapeut*innen haben oft nur begrenzt Wissen darüber, was es alles an Absurditäten da draussen in der Welt gibt.

Ein Beispiel aus meinem Leben: Keine meiner bisherigen Therapeutinnen kannte sich mit Sekten und Freikirchen aus. Es machte wenig Sinn, ihnen von den typischen Verhaltensweisen im evangelikalen Kontext zu erzählen, weil ich dazu erstmal ein Lexikon an Begrifflichkeiten hätte erstellen müssen, damit sie wissen, was gemeint ist. Und dann hätte ich erklären müssen, wie das brainwashing funktioniert, an was man alles geglaubt hat, was der Druck der Gemeinschaft ausgelöst hat.

Wo ich mich hingegen sehr gut aufgehoben fühle, ist in einer Gruppe von Aussteiger*innen. Egal ob Mormonen, Brüdergemeinde, Zeugen Jehovas, Baptisten, Pfingstler oder Charismatiker: Die Mechanismen ähneln sich immer sehr stark und nur der Austausch, das Aussprechen des Irrsinns, kann bereits heilsam sein.

Für Viele ist es angenehmer, sich erstmal online mit Pseudonym zu vernetzen und sich so ganz langsam daran zu gewöhnen, über seine Erfahrungen zu sprechen. Wichtig ist nur, dass man nicht allein bleibt und nicht glaubt, schlechte Erfahrungen mit sich selbst ausmachen zu müssen!

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